Urlaub am Goldstrand: Ein verschwundenes Zimmer und bezahltes Lehrgeld

Eigentlich sollte es eine einfache Geschichte werden. Ein Hotel war gebucht. Wir wollten ans Meer fahren und ein paar Tage Urlaub machen. Was sollte dabei schon schiefgehen?

Nun ja.

Als wir an unserem angeblichen Hotel in der Nähe der Mestnost Manastirski Rid zwischen dem Goldstrand und dem Badeort Sveti Konstatin und Elena ankamen, war der erste Eindruck bereits überschaubar. Die ganze Gegend wirkte verwahrlost und ungepflegt. Auch das Hotel hatte seine besten Tage offenbar hinter sich. Aber immerhin der Preisaushang war einigermassen gepflegt. Hier hatte jemand das alte Leva-Symbol mit einem Euro-Zeichen auf einem Post-it überklebt… stabiler Wechselkurs!

Der Hoteldirektor hat sich offensichtlich so sehr auf uns gefreut, das er unser Kommen erstmal ordentlich gefeiert hat…Zumindest war er entsprechend gut betankt. Aber immerhin hat er uns nett erklärt, dass es das von uns gebuchte Zimmer gar nicht gäbe.  Als Ersatz könne er uns ein Zweibettzimmer mit Zustellbett anbieten. Wir waren zu viert. Geil!

Wir lehnten dankend ab. „Dankend“ ist in solchen Situationen eher eine Frage der Erziehung als der tatsächlichen Dankbarkeit.

Auch die Umgebung machte wenig Lust auf weitere Verhandlungen. Der Weg zum Strand war steil und schwierig. Die gesamte Ecke rund um die Mestnost Manastirski Rid schien schon länger keine größere Bekanntschaft mit Pflege oder Instandhaltung gemacht zu haben.

Also wieder ins Auto.

Sveti Konstantin war unser nächster Gedanke. Den Ort kennen wir gut und hätten dort wahrscheinlich schnell etwas gefunden. Am Ende bekam der Goldstrand seine Chance. Dort fuhren wir eine Weile herum und suchten nach einer Unterkunft. Ach ja, gegen die Fahrtrichtung durch eine Einbahnstraße zu fahren kostet in Bulgarien 51 Euro, habe ich dort erfahren. Der Erkenntnisgewinn war im Preis enthalten. Meine Begeisterung hielt sich dennoch in Grenzen.

Am Ende fanden wir eine kleine Bungalowanlage am Goldstrand. Die Anlage hatte einen Pool. Außerdem gab es eine gemeinsame Sommerküche, in der fast immer etwas los war. Nach dem Auftakt mit dem verschwundenen Zimmer war das eine deutliche Verbesserung. Ich fuhr einmal kurz nach Sveti Konstantin zum Supermarkt. Wir deckten uns mit allem Wichtigen ein. Danach ließ sich der Urlaub tatsächlich genießen.

Bis zum Strand waren es etwa 200 Meter. Auch die Promenade lag direkt in der Nähe. Wir verbrachten unsere Zeit am Meer und flanierten ordentlich über den Goldstrand. Nach der unfreiwilligen Hotelsuche war zielloses Herumlaufen plötzlich erstaunlich entspannend.

Am letzten Tag machten wir noch einen Abstecher an den Strand von Albena. Danach lagen 300 Kilometer bis Draganovo vor uns. Wir ritten also zurück ins Dorf. Ganz ohne Pferde. Dafür mit einer 51 Euro teuren Erinnerung an bulgarische Einbahnstraßen.

Zu Hause suchte ich noch einmal nach dem Hotel, das uns fortgeschickt hatte. Auf den Buchungsplattformen war es inzwischen nicht mehr zu finden. Schade eigentlich. Ich hätte selten mit so viel Hingabe eine Bewertung geschrieben….